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Neue Experten-Empfehlung nach einem leichten Schlaganfall

Foto: pixabay

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Vor kurzem veröffentlichten die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) eine neue Praxisempfehlung für Patienten, die einen leichten Schlaganfall erlitten hatten. Eine transitorische ischämische Attacke, kurz als TIA bekannt, birgt das Risiko eines darauffolgenden zweiten Schlaganfalls. Bisher wurde diesem Risiko in der Regel mit der Gabe von Thrombozytenaggregationshemme in Form von Aspirin begegnet. Nun empfehlen die DGN und die DSG die Durchführung einer Kombinationstherapie aus Aspirin und Clopidrogrel. Beide Präparate sind Blutplättchenhemmer, zusammen verabreicht mindern sie die Gefahr eines zweiten Schlaganfalls sowie einhergehender Hirnblutungen um ein hohes Maß.

Etwa neun von zehn Schlaganfällen sind ischämischer Natur. Der Verschluss oder die Verengung eines hirnversorgenden Blutgefäßes bewirkt ein Blutgerinnsel, das zu neurologischen Ausfällen wie etwa Sprachstörungen, Schwindel oder Lähmungserscheinungen führt. Ein anderer Name hierfür ist auch Hirninfarkt. Nach einem Hirninfarkt kann es lebensrettend sein, weitere Verklumpungen von Blutpättchen zu verhindern. Bei einer schnellen und effektiven Behandlung können sich bereits aufgetretene neurologische Ausfälle zurückbilden, im besten Fall sogar innerhalb von 24 Stunden.

„Diese Ereignisse sind in der Regel gut behandelbar. Doch das Risiko für einen zweiten schweren Schlaganfall ist bei den Betroffenen als hoch einzustufen“, erklärt Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener aus Essen, Pressesprecher der DGN. „Die Vorbeugung ist daher gerade bei diesen Patienten, die vermeintlich gut weggekommen sind, von besonders großer Bedeutung.“

Ende Dezember 2018 ist in dem Fachjournal BMJ eine Praxisempfehlung für eine duale Plättchenhemmung mit den gerinnungshemmenden Medikamenten worden. „Diese Kombinationstherapie sollte mindestens 24 Stunden nach dem Einsetzen der ersten Schlaganfallsymptome erfolgen und über zehn bis 21 Tageandauern“, sagt Professor Dr. med. Armin Grau, Vorsitzender der DSG und Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen.

Die Wissenschaftler berufen sich dabei auf eine randomisiert-kontrollierte Studie, die im August im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurde. Sie zeigte, dass die Kombination von Aspirin und Clopidrogrel der derzeit üblichen Aspirin-Monotherapie im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit eines Folge-Schlaganfall überlegen ist. In der Studiengruppe, die Aspirin und Clopidrogrel erhalten hatte, erlitten nur 121 von 2.432 Patienten eine zweite Attacke. In der Gruppe, die nur Aspirin und ein Scheinmedikament eingenommen hatte, waren es dagegen 160 von 2.449 Patienten. Die Autoren führen das auf eine sich ergänzende Wirkung der beiden Substanzen zurück.

„Die unterschiedlichen Wirkmechanismen scheinen sich zu addieren“, sagt Professor Diener. Mit 25 Prozent sei die Risikoreduktion unter der Kombinationstherapie signifikant gewesen. „Im Klartext heißt das, dass durch die kombinierte Einnahme von Aspirin und Clopidrogrel deutlich mehr Folge-Schlaganfälle verhindern werden können, und zwar bei vertretbaren Risiken wie einem leicht erhöhten Blutungsrisiko“, so Professor Grau.

Publikationen zum Thema:
Prasad K, Siemieniuk R, Hao Q et al. Dual antiplatelet therapy with aspirin and clopidogrel for acute high risk transient ischaemic attack and minor ischaemic stroke: a clinical practice guideline. BMJ. 2018 Dec 18; 363: k5130.
Johnston SC, Easton JD, Farrant M et al. Clopidogrel and Aspirin in Acute Ischemic Stroke and High-Risk TIA. N Engl J Med. 2018 Jul 19;379(3):215-225.

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