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Neurodermitis: neuer Wirkstoff gegen das quälende Jucken

Neurodermitis - Foto: © Wikiphoto, CC BY-NC-SA 3.0

Neurodermitis - Foto: © Wikiphoto, CC BY-NC-SA 3.0

Neurodermitis ist für Betroffene meist eine sehr quälende Krankheit. Die schuppigen und geröteten Hautstellen jucken extrem stark. Beim Auftreten an offen sichtbaren Körperpartien kommt oft noch sozialer Stress hinzu, denn nicht selten werden diese Menschen gesellschaftlich stigmatisiert.

Die Behandlung der Neurodermitis erfolgt in leichten Fällen vor allem durch äußere Anwendungen. In schweren Fällen reicht dies jedoch nicht aus, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen. Es gibt auch Mediamente die oral oder per Injektion eingenommen werden, sie haben jedoch starke Nebenwirkungen, wie das verbreitete Mittel Immunsuppressivum Cyclosporin. Bisher ist die Behandlung einer schweren Form der Neurodermitis deshalb sehr unzufriedenstellend.

Seit einigen Jahren arbeiten Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) an einem neuen Behandlungsansatz. Sie haben einen neuen vielversprechenden Wirkstoff gegen Neurodermitis entwickelt, der die Haut von Patienten spürbar verbessert. Bereits nach acht Wochen reduziert sich der Anteil an kranker Haut wie Rötungen, Bläschen und Kratzspuren um die Hälfte. Der Wirkstoff ist ein Histamin-4-Rezeptor-Blocker, das bedeutet, er hindert den Botenstoff Histamin, die entsprechenden Zellen anzugreifen. Auf diese Weise unterbricht er den Entzündungsprozess und lindert den Juckreiz. Die Fachzeitschrift für Allergologie „Journal für Allergy and Clinical Immunology“ beschreibt hierzu eine klinische Studie, an der 98 Patienten teilnahmen.

Die Rezeptoren der angegriffenen Zellen wurden schon im Jahr 2000 entdeckt. Das Forscherteam in Hannover hat sie seitdem intensiv im Hinblick auf die Anwendung bei entzündlichen Hautkrankheiten untersucht. „Labor- und In-vivo-Ergebnisse im Mausmodell, die wir seit 2005 kontinuierlich veröffentlichten, sprachen dafür, dass der Histamin-4-Rezeptor eine interessante Zielstruktur für die Behandlung der Neurodermitis ist“, berichtet Professor Dr. Thomas Werfel, MHH-Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, der auch die klinische Studie zusammen mit einem der Entdecker des Histamin-4-Rezeptors und einer kleinen Firma konzipierte.

Nebenwirkungen bei der Gabe des Medikaments wurden bisher nicht beobachtet. Die Untersuchungen sind jedoch nicht abgeschlossen. Aktuell startet unter Beteiligung des Teams aus Hannover eine größere internationale Studie mit rund 400 Patienten. Ziel ist, die optimale Dosierung dieses Wirkstoffes herauszufinden.

Neurodermitis hat unterschiedliche Ursachen. Sie kann durch hautreizende Stoffe, Allergene sowie mikrobielle, hormonelle und psychologische Einflüsse entstehen. Die Forscher gehen davon aus, dass der neue Histamin-4-Rezeptor-Blocker unabhängig von den Ursachen heilend auf die Neurodermitis wirkt. Es ist allerdings noch nicht klar, welche Patienten am stärksten von der neuen Therapie profitieren können.

Besonders Kinder sind von schweren und chronischen Formen der Neurodermitis betroffen. Die Erkrankung betrifft rund elf Prozent aller Mädchen und Jungen im Vorschulalter dagegen nur ein bis zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland. Kinder können die bisherigen Behandlungsmethoden einer schweren Neurodermitis meist schlechter tolerieren als erwachsene Patienten.

Eine strukturierte Patientenschulung für Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, findet sich auch im Internet unter www.neurodermitisschulung.de. Sie gibt vielfältige Anregungen und allgemeine Informationen rund um das Thema.

Weitere Informationen zum neuen Behandlungsansatz gibt Professor Dr. Thomas Werfel, werfel.thomas@mh-hannover.de oder Professor Dr. Manfred Kietzmann, manfred.kietzmann@tiho-hannover.de.

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